wurde. Den Klassenkampf lagern wir an die roten und schwarzen Steuereintreiber aus, und das porzellanweiße Mobiltelefon kommt auch wieder aus dem fernen China. Und noch seltener sind darin rosarote Färbung und Goldflitter. Mit den 68ern begann der totale Niedergang der Porzellanindustrie, und das gnadenlose Wegwerfen. Weil die Herstellung ein komplizierter Prozess ist, mussten viele Erfindungen gemacht werden, von denen wir bis heute profitieren. Wer nur sein Kind in Berlin Mitte zur Kita nebenan bringt, sieht die Welt mit anderen Augen als jene, die das Kind zum Pferd oder am Abend zum Konzert bringen, und das hingehauchte Kleid von Moschino nicht in die Kette eines hinreissenden Porteurs von Rene. Porzellan wurde in Deutschland neu erfunden, um sich von der Abhängigkeit von den Chinesen zu befreien. Wir ändern uns nie. Diese Welt umfasst noch nicht einmal das Mittelmeer und nur einen kleinen Bruchteil der heute lebenden Menschen. Aber das ist nichts gegen den Luxus, den wir uns leisten, wenn wir das für Kitsch halten. Es gibt Regionen, in denen man diese Frau nach dem Tod des Mannes in den Selbstmord treiben würde, und andere Regionen zu denen auch die westliche Welt mit ihren Migrationsströmen gehört in denen man manche Frau schon als Kind an der Klitoris verstümmelt hätte. Es liegt aber eher in der Natur der Menschen, dass sie kein heiliger Franziskus oder neuer Stalin sind und alles Vermögen sofort und radikal umverteilen. Es liegt mir fern, den aktuellen Präsidenten der Vereinigten Staaten zu bemühen, aber im Prinzip stehen wir auch nur über einer historisch reich gefüllten Abfallgrube dieses Planeten, in der manches Relikt verführerisch funkelt und von frühem Luxus kündet, und anderes eher nicht, und gern übersehen. Denn während die frühen Manufakturen oft mit der französischen Revolution und den Krisen der napoleonischen Zeit schliessen mussten, entstanden neue Firmen für das zu Reichtum gelangte Bürgertum vor allem in der. Die französische Radindustrie zehrte bis in die 80er Jahre von den Erfindungen und Entwicklungen jener Epoche, und wir verdanken ihr die Schaltwerke, die Kurbeln mit mehreren Kettenblättern, leichte Schutzbleche und Gepäckträger, Cantileverbremsen und den heute so populären Ahead-Vorbau. Und deshalb werden auf den grossen Parkplätzen vor den Malls die Windschutzscheiben mit Kaufe Ihr Auto-Karten verziert, auf dass die alten Wägen ein zweites Leben in Nigeria, Jordanien und im Kongo erhalten, und der Ersatz mehr Raum, mehr PS und mehr farblich passendes Leder hat. Aber nur ganz selten und nur, wenn Ihr Palast wirklich bedeutungsvoll war, finden Sie nördlich der Alpen auch mal ein Stück eines venezianischen Glases. Es ist heute möglich, diese Tänzer zu belächeln, weil man auch ohne jede Konsequenz und Tanzübung im Schlamm bei Wacken moshen kann. Was ich aber lese, und nicht nur ich, sondern auch alle, die in den letzten Jahren neiderfüllt meiner kleinen, dummen Heimatstadt an der Donau den totalen Niedergang gewünscht haben, und dachten, mit dem Abgasskandal würde es endlich so kommen, ist etwas ganz anderes: Der VW-Konzern. Es entstanden Hofmanufakturen, in denen das eigene Leben und idealisiert das der Landbevölkerung dargestellt wurde, in 20cm hohen, weissen Püppchen, die damals schon pro Stück den normalen Nettomonatslohn eines höheren Beamten kosteten. Das ist mehr als nichts, und amüsanter als Klagen über ausbleibende Einsicht und Selbstkasteiung von Höherstehenden, die das traditionell einfach nie und nimmer tun werden. Heute wird das Auto auf 80km/h auf Landstrassen von einer Partei gedrosselt, deren Wähler so einen Klimazielruinierer als Statussymbol des eigenen Erfolgs betrachteten.

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Es sind Vitrinenstücke, und genau so wurden sie auch aufbewahrt, als die wahrhaft grosse Zeit der Porzellanfiguten begann. Das Biedermeier wurde vom Historismus und vom Wiener Barock abgelöst, und in jener Zeit des Rückgriffs ergötzte man sich auch wieder gern an alten und neu geschaffenen Figuren. Wir leben in einer freien Gesellschaft, die es uns erlauben würde, den Kitsch nachzustellen und auf Blumenwiesen zu tanzen. Wir werfen in dieses Loch unsere eigene Vergangenheit und unterschiedslos ihre Flausen, Dummheiten, Stärken und Ideale, weil wir es können, und weil wir denken, wir wären weiter und etwas Besseres. Hin und wieder stößt man auf ein Henkelchen einer Favenceschüssel, oder auf einen zerbrochenen Weinbecher aus Waldglas. Jahrhundert, aber dafür unzerbrochen. Ich habe selbst fünf Maschinen aus dieser Epoche es sind wirklich herrliche Räder, robust, komfortabel, hochwertig, zuverlässig. Jan Heine zum Beispiel lässt alles, was früher schick und praktisch war, wieder herstellen, und es gibt auch Messen und Blogs für die Schönheit des alten, sauberen Gefährts aus Stahl und europäischer Fertigung. Dabei sind die Ideale, die von diesem Paar verkörpert wurden, in der Entstehungszeit alles andere als rückschrittlich gewesen.